Sitzecke mit Subwoofer

Wir sind Kinofans. Und einmal Kino mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern inklusive Snacks und Getränken gehen an unserem Budget nicht spurlos vorbei. Das musste auch die Finanzministerin zugeben, als die Kinder und ich auf die Idee kamen, eine Heimkinoanlage in unserem Wohnzimmer zu installieren. Ich glaube, Kinobesuche sind für die nächsten zwanzig Jahre gestrichen, denn das Eintrittsgeld steckt nun im Homeentertainment.

Als das neue Heimkino da war, fiel uns auf, dass wir mit dem Sofa in unserem Wohnzimmer noch nie richtig glücklich waren. Es war halt das alte, abgeliebte, das wir schon im vorherigen Haus hatten. Es passte noch nie so recht in die Ecke, in der es im neuen Wohnzimmer stand, und für ein richtiges Familiensofa war es inzwischen eigentlich auch zu klein, denn diese Kinder wurden immer länger und beanspruchten viel zu viel Platz, wenn wir mal alle zusammen einen Film ansahen.

Das Heimverschönerungsbudget war durch den Kauf der Heimkinoanlage bereits erheblich strapaziert. Die Finanzministerin schaute noch sparsamer als sonst, als das Stichwort „neues Sofa“ zum ersten Mal fiel. Sie drohte uns mit trockenem Brot und Wasser für die kommenden beiden Jahre. Das hätte sie zwar nie durchgehalten, denn sie kocht nicht nur ziemlich gut, sondern auch sehr gern, aber wir hatten verstanden, wenn wir eine neue Sitzecke wollten, müssten wir also selbst kreativ werden. Die Aufgabe war damit klar: Baut eine Sitzecke für die ganze Familie, die nicht viel kostet, dafür aber toller ist als ein fertig gekauftes neues Sofa (und wenn alle Nachbarn neidisch werden, wäre es auch nicht schlimm). Na klar, wie immer galt auch hier: „Der Papa macht das schon.“

Ich überlegte, es muss also eine Unterkonstruktion her, am besten aus Holz, und darauf müssen Polster in irgendeiner Form. Rückenlehnen konnten zunächst vernachlässigt werden, denn der größte Teil der Sitzecke sollte mit dem Rücken an einer Wand stehen. Lediglich ein Schenkel der L-Form sollte frei im Raum auslaufen. Da gefiel uns die Idee, dieses Ende wie eine Ottomane ohne Rückenlehne zu lassen, ohnehin am besten. Da wir nun die Maße selbst bestimmen konnten, wurde die gesamte Wand beplant und somit im Grunde zur Nische erklärt. Als günstigste Polsterung einigten wir uns auf Matratzen, wie sie von Zeit zu Zeit jeder Discounter im Angebot hat. Damit standen dann auch die Abmessungen der Sitzflächen fest – es wurden zwei Matratzen in einem rechten Winkel, Außenmaß 3 X 2 Meter mit einer Sitztiefe von einem Meter. Das genügt, damit alle bequem Platz finden. Die gesamte Wand ist knapp vier Meter lang, am Ende der langen Sitzfläche haben wir deshalb auf Sitzhöhe eine Tischplatte integriert, die nicht nur als Abstellfläche für Getränke dient, sondern auch noch mit einer dekorativen Kugelleuchte verschönert wurde und mit der Wand abschließt.

Um die Matratzen zu beziehen, fiel die Wahl auf Kunstleder. Das ist leicht zu verarbeiten, denn es muss im Gegensatz zu Polsterstoffen nicht genäht werden. Man kann es einfach kleben. Ich empfehle, das nur auf der Rückseite zu tun, so lässt es sich bei Bedarf später leichter auswechseln. Weil es elastisch ist, besorgte ich mir im Onlineversandhandel Kunstleder aus der Abteilung für Mode. Kunstleder für Polster gibt es natürlich auch – das ist zwar dicker und strapazierfähiger, aber deshalb auch recht steif. Ich sah keine großen Abnutzungsanforderungen an das Sofa und war zuversichtlich, dass das Kunstleder, aus dem eigentlich Kleidung hergestellt werden sollte, genügen würde. Beim Nähen der Rückenkissen erwies es sich dann auch als hilfreich, da sich das dünne Kunstleder auf einer normalen Nähmaschine problemlos nähen ließ. Restposten, die man sehr günstig bekommen kann, haben oft ungewöhnliche Farben, deswegen lag die letzte Entscheidung bei der Finanzministerin. Sie war schließlich nicht nur die letzte Instanz in Fragen des Budgets, sondern auch verantwortlich für das Nähen diverser Kissen. Die Kissen erforderten zusätzlich noch ein wenig Stoff und Schaumflocken zum Befüllen. Dieses Material bestellten wir ebenfalls online im Fachhandel.

Nachdem die Maße und die Polsterung geklärt waren, wurde es Zeit, sich über die Unterkonstruktion Gedanken zu machen. Ich hatte noch ein paar Kanthölzer übrig, die ich auf die richtige Höhe zuschneiden konnte. Aber wir wollen ja noch etwas, das unseren Ehrgeiz befriedigen sollte. Zusätzlicher Stauraum unter den Sitzflächen war die erste Idee. Stauraum braucht man schließlich immer! Der Bequemlichkeit halber sollten es Schubladen werden. Ich entdeckte im Baumarkt fertige Holzkisten ohne Deckel in verschiedenen Größen und wählte die, deren Höhe unserer gewünschten Sitzhöhe am nächsten kam. Es empfehlen sich hier so etwa 30 cm, um insgesamt auf eine Höhe von rund 45 cm zu kommen, die zum Sitzen allgemein als angenehm empfunden werden. Ich entschied mich, kleine Möbelrollen unter die Kästen zu schrauben, aber je nach Gewicht und Unterboden genügen vielleicht auch Filzgleiter.

Mit dem Kauf der Kästen stand auch deren Breite fest, die gleichzeitig der Abstand der Kanthölzer werden sollte, die dem Ganzen als Standfüße dienen werden. Vom Abstand der Füße wiederum hängt ab, welche Stärke die Spanplatten haben müssen, die als Unterlage für die Polster gedacht sind. Woher weiß man aber nun, wie dick so eine Platte sein muss, damit sie das Gewicht einer Person zwischen zwei Standfüßen aushalten kann ohne nachzugeben? Probieren geht bekanntlich über studieren und so nahm ich im Baumarkt zwei Kanthölzer, legte sie im gewünschten Abstand der Kästen auf den Boden und probierte verschiedene Spanplattenstücke aus der Restekiste im Bereich des Holzzuschnitts aus, indem ich sie auf die Kanthölzer legte und mich darauf stellte. Zwölf Millimeter erwiesen sich bereits als ausreichend. Die beiden Platten ließ ich mir gleich passend zuschneiden. An den Seiten, die nachher offen zum Raum hin sichtbar sein sollten, habe ich zwei Zentimeter eingespart, weil es gefälliger aussieht, wenn die Polster über die Platte hinaus ragen und falls mal jemand unachtsam gegen die Sitzecke rumpelt, ist es auch weniger schmerzhaft, wenn zwei Zentimeter Polster als Pufferzone vor der Holzplatte wirken.

Für alle Fronten der Unterkonstruktion, die nicht von den Schubkästen eingenommen wurden, plante ich Blenden aus einfacher Schrankrückwand ein. Hier konnte sich der Nachwuchs schon einmal nützlich machen und wurde zum Lackieren der Kästen und Blenden abkommandiert.

Da unsere neue Sitzecke ja im Grunde zwei gleiche Schenkel im rechten Winkel hat, ist klar, dass der Bereich unterhalb der Ecke nicht für Schubkästen genutzt werden kann, weil man sie ja nicht nach vorn herausziehen könnte. Diese „Tote Ecke“ kennt auch jeder, der eine Winkelküche hat. Es gibt aber genau eine Möglichkeit, die tote Ecke unserer Sitzecke sinnvoll zu nutzen. Papas Meisterstück! Die Idee, die mich für viele Fernsehabende zum Superhelden meines Nachwuchses macht: Da bauen wir den Subwoofer ein, damit es wirklich realistisch vibriert, wenn auf dem Bildschirm ein Haubschrauber landet! Unser Modell gibt den Schalldruck nach unten ab, da haben wir Bodenfliesen, und deswegen funktioniert der Subwoofer unter dem Sofa tatsächlich später ausgezeichnet.

So haben wir schließlich die Sitzecke zusammengebaut: Die Kantholzfüße wurden auf die richtige Länge (Sitzhöhe minus Polster und Spanplatte)gesägt und dann im Abstand der Breite der Kästen vorn und hinten an die Spanplatten geschraubt. Für die Tischplatte am Ende werden einfach vier Beine zurecht gesägt, sodass die Platte bündig mit den Sitzpolstern in der Höhe abschließt. Die Position der Kanthölzer kann eigentlich frei gewählt werden, solange das Raster der Schubkästen passt und im Winkel genug Raum für den Subwoofer verbleibt. Da alles andere im Sichtbereich mit den lackierten Blenden verkleidet wird, die individuell angepasst werden können, ergeben sich daraus keine Beschränkungen. Zum Abschluss kommt noch Umleimer auf die Kanten und wer möchte, befestigt die Matratzen mit Klettband zum Kleben auf den Tragplatten. Wir haben darauf verzichtet, denn tatsächlich verrutschten die Polster fast gar nicht. Wir haben uns für verschiedene lose Rückenkissen entschieden. Wer das nicht mag, kann noch Keilkissen o. Ä. fest an der Wand anbringen. Vielleicht machen wir das später auch noch einmal. Die Frontblenden kann man zwischen oder auf die Standfüße montieren, am besten sind sie zu kleben. Will man sie zwischen die Kanthölzer hängen, bleiben die sichtbar und sollten deshalb auch eine Oberflächenveredelung bekommen. In dem Fall nicht vergessen: Befestigungswinkel für die Blenden anschrauben, bevor das Sofa steht, sonst liegt man dabei nachher ein bisschen unbequem auf dem Boden. Und jetzt frag mich bitte nicht, woher ich das weiß…